Künstliche Farbveränderung

Fortsetzung - Teil II

Eine Frage drängt sich auf :

Wenn niedrigpreisige Qualitäten durch Einsatz von Technik in höherwertige künstlich verändert werden, wer kontrolliert deren Vermarktung? Es schien doch sehr verlockend, die Preise der "verbesserten" Steine den höheren Preisen der Natürlichen anzupassen.

Da General Electric (GE) die Offenlegung seines entwickelten Verfahrens verweigert und in 1999 diese Behandlung nicht nachweisbar war, trat genau dieser Fall ein! Die amerikanische Diamantschleiferei Lazare Kaplan vertrieb daraufhin (März 1999) diese Steine über ihre Tochtergesellschaft Pegasus Overseas Limited (POL) in Antwerpen unter dem Namen "Pegasus-Diamanten". Als Synonyme wurden auch "Monarch" und "Bellataire" bekannt.

Unter Druck des Diamanthandels wurden fortan alle von GE behandelten Diamanten zuvor beim GIA (Gemological Institute of America) graduiert sowie mit einer Lasergravur auf der Rundiste (GE POL) versehen. (Foto rechts) In den zugehörigen Zertifikaten erscheint zusätzlich ein entsprechender Vermerk: "GE POL is present on girdle. Pegasus Overseas Limited (POL) states that this diamond has been processed to improve its appearence by General Electric (GE)".

Bei der CIBJO angeschlossenen Laboren wird mit entsprechendem Vermerk eindeutiger von "behandelt" gesprochen. Dank des Daten- banksystems vom GIA konnten auch mehrfach vorgelegte Steine identifiziert werden, da findige Händler z.T. Lasergravuren durch Nachpolieren entfernten und man hier durchaus von Betrugsabsichten sprechen konnte.

So war es überaus nötig, spezifische Untersuchungsmethoden zu ent- wickeln. Neben Forschungen des GIA (~1500 Steine) überließ GE im Oktober 1999 auch dem Gübelin-Labor / Schweiz 100 GEPOL-Diamanten zur Analyse. Da allgemein die gängigen Testmethoden nicht ausreichten, wurde mit Neuem experimentiert :

- Frequenzverdoppelte Argon-Laser (244 nm) / Raman Photoluminizens / Röntgen-strahlen / Helium-Kadmium-Laser (325 nm) / Argon-Ionen- Laser (514 nm) /Kathodenluminizens

Ergebnis der Forschungen waren schon bald eindeutige diagnostische Unterscheidungskriterien. Nach grundsätzlicher Ausschaltung anderer Diamanten als II a-Typen durch Infrarot- und UV-Spektroskopie (Grünfluoreszens) unter Nutzung von kurzwelligem UV-Licht (254 nm) folgt eine Untersuchung der Photoluminizens durch ein Raman - Spektrometer nach Anregung durch einen Argon-Ionen-Laser (514 nm) in einer Tiefkühlzelle bei ?180°C. Zeigt sich eine Luminizens im Bereich von 3737cm-1 und 2043cm-1, zeugt dies vom Vorhandensein kleiner Mengen von N-V Ballungen (nitrogen-carbon vacancy). Dieser Wellenbereich entspricht dem sichtbaren Spektrum von 637 und 575nm und ist charakteristisch für das Ausgangsmaterial des GE-Prozesses wie auch für den GE POL-Diamanten selbst. Das Peak/Height-Verhältnis 637/575 deutet dabei nicht nur auf eine mögliche Behandlung hin. Es hat sich als diagnostisch ergeben, dass HPHT behandelte Steine über hohe Verhältnisse (> 2.8) und natürliche, unbehandelte Steine über niedrige Verhältnisse (< 1.6) verfügen. Zudem lässt sich bei Steinen niedrigerer Reinheitsgrade mit dem Mikroskop eine Veränderung von Einschlüssen sowie unter dem Polariskop eine Spannungsdoppelbrechung beobachten.

Als Neuigkeit hat HRD auf der letzten Antwerp Diamond Conference das erste kompakte Testgerät zur Unterscheidung von synthetischen undHPHT-behandelten Diamanten zu natürlichen Diamanten vorgestellt. Es erkennt alle polierten Diamanten in einem Größenbereich von 0,20 ct bis 10 ct , arbeitet im Farbbereich von D bis J und ist seit April 2005 verfügbar.

Soweit der Stand der Wissenschaft. Der Versuch einer Einordnung muß differenzierter betrachtet werden...

Die "Mitspieler" beim HPHT-Verfahren sind bekannt. Neben den zuvor genannten sind auch Nova Diamond (NovaTech) / Utah und First Diamond / Israel keine Unbekannten. Unterscheidungsmethoden wurden entwickelt und werden von den großen Laboren der Welt diagnostisch und zweifelsfrei angewandt. Skeptiker könnten ins Feld führen, dass nach wie vor über andere Vermarktungsebenen (z.B. Internet) Mißbrauchsmöglichkeiten bestehen.

Dies kann zwar keiner ausschließen, jedoch sprechen gewichtige Argumente für eine entspanntere Betrachtungsweise:

1. Das HPHT-Verfahren ist sehr teuer, Forschungsergebnisse werden nicht weitergegeben und schließt so Nachahmer eher aus.

2. Durch Verwendung des Diamant-Types II a sind nur 2% aller Rohsteine überhaupt geeignet.

3. Im Hinblick der Kosten sind zudem nur größere Steine (ab 1ct) geeignet und engt die Menge noch einmal drastisch ein. Diese werden i.d.R. ohnehin zertifiziert und ermöglichen so eine nachhaltige Kontrolle.

4. Der Kauf eines Diamanten ist mehr denn je Vertrauenssache. (siehe auch unter: 5."C"=Vertrauen)

5. Seit 1999 bis heute sind im deutschen Einzelhandel praktisch keine Steine aufgetaucht. Der Preisunterschied zu Natürlichen ist zwar gegeben, doch lange nicht so stark, um anscheinend Verkäufe & Nachfrage deutlich zu steigern. Zudem handelt es sich fast ausschließlich auch um hohe Reinheitsgrade, die höhere Grundpreise zwangsläufig mit sich bringen.

Auf unserer Diamant-Angebotsseite bieten wir Ihnen seit kurzem eine kleine Menge von HPHT-Diamanten von Bellataire an. Alle Steine mit exellenten Schliffen und Proportionen sowie natürlich in besten Farben und Zertifikat. Die Preise sind selbstverständlich günstiger als unsere natürlichen Diamanten!

In wie weit dies für Sie interessant ist, werden wir mit Interesse verfolgen.

Angebote - Bellataire