Rissgefüllte Diamanten

"fracture filled diamonds"

Voraussetzungen :

Geschliffene Diamanten mit Einschlüssen bis an die Oberfläche reichend - auch in Kombination mit Laserbohrungen auftretend.

Verfahren :

Hochlichtbrechende Flüssigkeit (i.d.R. Siliconöl, schwermetalldotierte Polymere oder bleihaltiges- glasartiges Material) wird unter hohem Druck (~50 bar) und Temperaturen um 400°C eingefüllt. Vorher luftgefüllte Risse werden auf diese Weise transparent und stören die Lichtbrechung im Stein nur noch gering.

Zielsetzung :

Die Technik der Behandlung von Diamanten durch Ausfüllen wurde 1987 in Israel von Zvi Jehuda entwickelt und von diesem sowie der Firma Koss angewendet.Vorrangiges Ziel war es, schwer verkäufliche Steine mit großen, flächigen Einschluss- bildern oder milchigen Rissen (Piqué-Grade / siehe: Reinheit) optisch aufzuwerten, die Brillanz zu verbessern und damit besser verkäuflich zu machen. Darüberhinaus nutzte man dieses Verfahren auch zur Anhebung von Reinheitsgraden (Si in VS) und damit verbundenen wertmäßigen Steigerungen. Als Folge dieser Behandlungsform können leichte Farbveränderungen ins Gelbliche auftreten.

Seitdem man zunehmend häufiger derartig behandelte Steine im Handel antraf, führten diese immer wieder zu Diskussionen unter Fachleuten der Schmuckbranche, Diamanthändlern und Gemmologen. Eine Identifikation sowie diagnostische Unterscheidungsmerkmale dieser Steine gegenüber Unbehandelten mußte fortan gewährleistet werden. Verschiedene gemmologische Institute weltweit führten Untersuchungen durch.

Im Ergebnis läßt sich feststellen, daß rißgefüllte Diamanten eindeutig mit Hilfe von gemmologischen Mikroskopen zu erkennen sind! Neben Bläschenbildung in der Füllung sowie dendritischen Trockenrissen zeigen sich vor allen in den Rißebenen irisierende Regenbogenfarben ("Flash-Effekt"). Bei Verwendung eines schwarzen Hintergrundes kann ein solcher "Flash" (Blitz) gelb, orange, rosa oder violett sein. Bei einem hellen Hintergrund kann dieser Blau, Grün oder Grünlich sein.

Fest steht, daß Steine, die mit einer solchen Technik behandelt werden, beim Fassen der Steine wie auch beim Reparieren von Schmuck empfindlicher sind.

Eine Beständigkeit kann folglich nicht garantiert werden. International anerkannte Labore stellen daher auch keine Expertisen für derart behandelte Steine aus. Gemäß Beschluß des WFDB (World Federation of Diamond Bourses) und der CIBJO müssen dagegen rißgefüllte Diamanten als "behandelt" gekennzeichnet werden.

Fazit :

Bei kleinen Steinen ist eine Verwendung dieser Methode aus Kostengründen auszuschließen. Ab Größen um ½ ct Gewicht beginnt die Anwendung, was für den Verbraucher bereits Preislagen über € 1.000.- bedeuten kann.

Wer voraussetzt, daß beim Kauf eines Steines nicht immer die entsprechende "Manipulations- /Behandlungs- Historie" mitgeteilt wird, kann sich nur auf zwei Wegen davor schützen:

1. Er kauft nur zertifizierte Steine. Internationale Labore stellen wie erwähnt für rißgefüllte Steine eben keine solchen aus. Allerdings handelt es sich hier meistens um höherwertige Qualitäten, die nunmal auch mit höheren Preisen einher gehen.

2. Er kauft beim bekannten und renomierten Fachmann (bevorzugt ungefaßte Steine zur Verarbeitung). Dieser ist im Zweifelsfall eben in der Lage, via Mikroskop vorab solche Steine auszuschließen.

Das größte Risiko besteht daher zwangsläufig bei den sogenannten "Dumpingangeboten"! Wenn z.B. Kaffeeröster (u.a.) gezielt vor Weihnachten fertige Schmuckstücke mit Piqué-Reinheiten (ohne weitere genauere Qualifizierungen) anbieten, muß das nachdenklich machen... - nicht nur im Hinblick auf Rißverfüllung. Bei entsprechender Nachgraduierung entpuppen sich diese "Angebote" im nachhinein sehr häufig als noch deutlich zu teuer.