Geschichte & Gemmologie

Allgemein

Diamant bedeutet “der Unbezwingbare” (griech. adamas), was auf seine enorme Härte verweist. Der Diamant ist einer der wertvollsten Edelsteine, der durch seine außerordentlichen physikalischen Eigenschaften auch eine ganz besondere Stellung unter den Mineralien einnimmt. Er war schon in längst vergangenen Zeiten bekannt. Der römische Naturwissenschaftler Gaius Plinius d. Ältere (23-79) schrieb über ihn, obgleich die Römer den Diamanten nur wenig kannten. Vom Mittelalter sind verschiedene mündliche Überlieferungen und Sagen über die Entdeckungen und die Schicksale der alten indischen Diamanten erhalten geblieben, obwohl man die meisten bekannten großen und historischen Diamanten erst Anfang des 17. Jahrhunderts fand.

Was der Diamant eigentlich ist, blieb jedoch lange ein Rätsel. Der berühmte englische Physiker Isaac Newton äußerte im Jahre 1675 die Ansicht, dass der Diamant ein brennbarer Stoff ist. Auf diesen Gedanken brachte ihn die starke Lichtbrechung des Diamanten. 1694 führten deshalb die italienischen Forscher G. Averani und C. A. Targioni einen Versuch durch, bei dem ein Diamant verbrannte. Erst der englische Chemiker H. Davy (1778-1829) wies nach, dass der Diamant eigentlich Kohlenstoff ist.

In der Natur kommt der Diamant seit jeher in Körnern und abgerundeten kleinen Oktaedern in Flussablagerungen vor, wohin er aus seinem ursprünglichen Muttergestein, einem dunklen Eruptivgestein, transportiert wurde. Bei der großen Mehrzahl der Diamantfundstellen gelang es jedoch nicht, dieses ursprüngliche Gestein zu finden. Diamanten, die im Muttergestein verwachsen sind, kennen wir bisher nur von einigen Fundorten.

Die kostbaren Steine aus den indischen Fundorten gehörten in der Regel den Fürsten, den Radschahs und Maharadschas. Sie wurden in deren berühmten Schatzkammern aufbewahrt und von Generation zu Generation weitergegeben. Weiterhin finden wir berühmte Diamanten in den Schatzkammern der verschiedenen Heiligtümer. Erst später gelangten diese Steine in andere Länder, vor allem als Kriegsbeute, und nicht selten nach Europa. Die ersten Nachrichten über die großen indischen Diamanten kamen durch das Verdienst des französischen Forschers Tavernier nach Europa, der im Jahre 1665 mit dem Studium der indischen Schätze beauftragt wurde. Zu den bekanntesten Fundorten der Diamanten, auch wenn sie bei weitem nicht mehr die größten sind, gehört auch Südafrika. Die dortigen Fundstellen wurden erst im Jahre 1871 entdeckt. Bis zum Jahre 1920 erbrachten sie mehr Diamanten als alle anderen Abbaugebiete zusammen. Die Fundgeschichte vieler Diamanten ist sehr interessant, und auch ihre Schicksale sind vielfach bunt und dramatisch.

Synonyme

Synonyme gibt es einige, wenn auch zumeist veraltete: Adamant, Adamas, Anachites, Diamas, Iras, Itam und das lyrische “Mond der Berge”. Unedle, undurchsichtige Diamanten werden Ballas, Bort oder Carbonado genannt, winzig kleine Steine heißen im Handel Salzkörner. Edle Stücke mit einem Farbwechsel von blauweiß nach gelblich schlicht “Premier”. Geschliffene Diamanten werden je nach Schliff-Form auch Brillant, Rautenstein, Spitzstein oder Tafelstein genannt.

Genese

Diamant entsteht tertiär in den Tiefengesteinen Peridotit und Eklogit. Dort verwandelt sich Graphit (hexagonaler Kohlenstoff) in einer blitzschnellen Metamorphose zu Diamant, wenn ein Schwellenwert von ca. 2000 °C Hitze und 40 000 Atmosphären Druck überschritten wird. An die Erdoberfläche gelangt Diamant später bei Vulkanausbrüchen, wenn die emporsteigende Lava Brocken des Tiefengesteins mitreißt. Aus diesem Lava- und Gesteins-Gemisch des Vulkanschlots bilden sich anschließend die Gesteine Kimberlit oder Lamproit, die nun die Fundorte des Diamanten darstellen, nicht jedoch seinen Ursprungsort!

Fundorte

Die Ältesten sind die berühmten Fundstellen in der Umgebung von Kimberley in Südafrika, wo Olivinit – Kimberlit – vorkommt. Der zweite Fundort, wo im Muttergestein eingewachsene Diamanten festgestellt werden, ist die große Lagerstätte im Flussgebiet des Wiljui in Jakutien (Sibirien).

Im Jahre 1961 wurden die Diamanten im Kimberlit in der Sierra Leone und später auch in Indien, dem alten Fundort der berühmten, großen Diamanten, entdeckt. Die bekanntesten Diamantablagerungen befinden sich in Kongo und Zaire, in Angola, Tansania, Ghana und Guinea und im Staate Minas Gerais in Brasilien. Der bedeutendste Fundort der berühmten großen Diamanten war Indien.

Mineralklasse, Chemismus

Diamant ist reiner Kohlenstoff und zählt zur Mineralklasse der natürlichen Elemente.
Sein Kristallgitter ist ein dreidimensionales “Netz”, in dem jedes Kohlenstoffatom fest mit vier anderen verbunden ist. Darin begründet sich auch seine außergewöhnliche Härte. Durch in Spuren eingelagerte Fremdstoffe kann Diamant bunt gefärbt werden. Dabei verursacht Stickstoff (das häufigste Nebenelement) die Farben Gelb und Grün, Aluminium, Sauerstoff, Magnesium, Eisen und Bor die Farbe Blau und Mangan die Farbe Rosa.
Formel: Cn + (Al,Ca,CrFe,Mg,Mn,N,Si,Sr,Ti).

Kristallsystem, Aussehen

Diamant ist kubisch und bildet kleine, würfelige oder oktaedrische Kristalle und spätige bis körnige Aggregate. Er ist im Idealfall farblos klar bis gelblich, was im Diamantenhandel in präzise Farbgraduierungen eingeteilt wird:

River – Blauweiß, Wesselton – feines Weiß, Crystal – getöntes Weiß, Cape – Gelblich und Yellow – Gelb.

Durch Fremdstoffe kann Diamant auch intensiv gefärbt sein (siehe Chemismus), man spricht dann von “Phantasiefarben”.

Roh zeigt Diamant Diamantglanz, Glasglanz oder Fettglanz.

Bestimmungsmerkmale

Mohshärte: 10
Dichte: 3,52
Transparenz: durchsichtig bis durchscheinend
Strichfarbe: keine
Spaltbarkeit: vollkommen

Verwechslung

Bergkristall: Härte 7 ; Glas: Härte 5 – 5,5 ; Zirkon: Härte 6,5 – 7,5.
Bei geschliffenen Steinen ist die Unterscheidung oft nur gemmologisch möglich.

Fälschungen

Fälschungen dieses begehrten Edelsteins gibt es natürlich wie Sand am Meer: Imitationen aus YAG (Yttriumaluminat), Zirkonia (Zirkonoxid) und Straß (Bleiglas), Synthesen, Farbveränderungen durch Bestrahlen und Brennen, Rissfüllungen, Beschichtungen und Dubletten, das Thema Diamantfälschen ist eine Wissenschaft für sich. Daher haben hier auch nur gemmologische Prüfungen eine Chance.

Verwendung

Diamanten von Edelsteinqualität schleift man heute überwiegend in der Form des runden Brillanten. Je nach Kristallform bietet sich allerdings auch häufig ein Fantasieschliff an, um das Rohmaterial besser ausnutzen zu können. Die wenigsten Menschen sind sich bewusst, dass der überwiegende Teil der Diamantenproduktion heute dagegen industriell verwertet wird und dass weniger als 20% der Gesamtproduktion Edelsteinmaterial sind. Die restlichen 80% finden aufgrund seiner Härte Verwendung als Bohr- und Schleifmittel.

Konflikt-Diamanten & Kimberly-Prozess / “System of Warranties” (SOW)

Der Handel von Rohdiamanten zwischen den KP-Staaten erfolgt in manipulationssicheren Behältern, die zusammen mit einer staatlich anerkannten KP-Zertifizierung transportiert werden.

Nach dem Import und vor dem Weiterverkauf muss jede Rechnung eine schriftliche Erklärung enthalten, die eine Garantie dafür gewährt, dass die verkauften Diamanten, bzw. der Diamant- schmuck von nach-weislicher Herkunft ist.

Wir garantieren ebenso wie unsere Lieferanten für die Herkunft unserer Diamanten und unterstützen das “System of Warranties” (SoW) gemäß der beschlossenen UN-Resolutionen zugunsten konfliktfreier Diamanten !

Was sind Konfliktdiamanten?

Konfliktdiamanten sind Diamanten, die illegal gehandelt werden, um Bürgerkriege zu finanzieren. Es wäre sicherlich einfacher und definitiv machbar, den Weg, Erwerb und Verbreitung von Waffen zu verfolgen, zu kontrollieren oder zu boykottieren. Leider ist dies bis heute Wunschdenken.

Der Begriff “Konflikt- oder Blutdiamanten” wurde in den späten neunziger Jahren geprägt, als Rebellen in verschiedenen afrikanischen Staaten Diamanten zur Finanzierung ihrer blutigen Kämpfe gegen legitime Regierungen einsetzten. Als der illegale Handel mit Konfliktdiamanten seinen Höhepunkt erreichte, lag ihr Anteil am gesamten weltweiten Diamanthandel bei 4%. Heute liegt ihr Anteil bei weit weniger als 1%.

Was wird gegen Konfliktdiamanten unternommen?

Die Diamantindustrie, Regierungen, die Vereinten Nationen und NROs (Nichtregierungsorganisationen) haben das Zertifizierungssystem des Kimberley-Prozesses eingeführt, um dem Handel mit Konfliktdiamanten Einhalt zu gebieten (Nov. 2002 – UN-Resolutionen Nr.1171, 1173, 1306 und 1343). Die systematischen Herkunftsnachweise gemäß des “System of Warranties (SoW)” wurden implementiert, um sicherzustellen, dass nur Diamanten aus legitimen Quellen in den offiziellen Verkauf gelangen. Heute stammen nachweislich mehr als 99% der Diamanten auf dem Weltmarkt aus konfliktfreien Quellen.

Diamanten schaffen Existenzgrundlagen und retten Leben!

In Afrika liegen nach wie vor die größten Diamantschätze verborgen und die wertvollsten Steine werden neben anderen afrikanischen Staaten vornehmlich in Namibia, Südafrika und Botswana gefunden. Als südafrikanischer Konzern hat De Beers einen Weltmarktanteil von 40% und ist der größte Produzent von Diamanten. Seiner sozialen Verpflichtung ist man sich schon seit vielen Jahren bewusst.

Rund 22.000 Mitarbeiter schürfen, sortieren und schleifen die Rohdiamanten und hätten ohne Diamanten praktisch keine Erwerbschance. De Beers bietet seit vielen Jahren kostenlose Behandlungen für HIV-positive Mitarbeiter in südafrikanischen und botswanischen Minen, durch die der Ausbruch der Krankheit um Jahre verzögert wird. Zusätzlich gehören ärztliche Untersuchungen, Nahrungsergänzungen, soziale Beratungen, Prophylaxe gegen die Ansteckung sowie die grundsätzliche Versorgung mit Medikamenten dazu. Erkrankte Mitarbeiter werden in einer eigenen Klinik versorgt und Aids-Waisen von Sozialarbeitern betreut inklusive der Möglichkeit, eine Schule zu besuchen und eine Berufsausbildung zu erhalten.

Insgesamt investiert allein DeBeers etwa 11% des Gesamtbudgets in 28 soziale Projekte. Ein spezielles HIV/Aids-Programm für Frauen mit einem Volumen von 1,5 Mio.US$ ist in Planung.

Jüngste Beschlüsse von DeBeers vom November 2006, das Sortieren der Rohdiamanten von London nach Botswana zu verlagern, zeigen, das in Zukunft Afrika zunehmend mehr an der Wertschöpfung seiner Rohdiamanten teilhaben wird. Immer mehr afrikanische Fachleute rücken in das Management von Minengesellschaften vor. Auf Dauer dürften auch die Schleifzentren in der Nähe der Minen folgen.

Rissgefüllte Diamanten / “Fracture Filled Diamonds”

Voraussetzungen

Geschliffene Diamanten mit Einschlüssen bis an die Oberfläche reichend – auch in Kombination mit Laserbohrungen auftretend.

Verfahren

Hochlichtbrechende Flüssigkeit (i.d.R. Siliconöl, schwermetalldotierte Polymere oder bleihaltiges- glasartiges Material) wird unter hohem Druck (~50 bar) und Temperaturen um 400°C eingefüllt. Vorher luftgefüllte Risse werden auf diese Weise transparent und stören die Lichtbrechung im Stein nur noch gering.

Zielsetzung

Die Technik der Behandlung von Diamanten durch Ausfüllen wurde 1987 in Israel von Zvi Jehuda entwickelt und von diesem sowie der Firma Koss angewendet. Vorrangiges Ziel war es, schwer verkäufliche Steine mit großen, flächigen Einschluss-bildern oder milchigen Rissen (Piqué-Grade / siehe: Reinheit) optisch aufzuwerten, die Brillanz zu verbessern und damit besser verkäuflich zu machen. Darüber hinaus nutzte man dieses Verfahren auch zur Anhebung von Reinheitsgraden (Si in VS) und damit verbundenen wertmäßigen Steigerungen. Als Folge dieser Behandlungsform können leichte Farbveränderungen ins Gelbliche auftreten.

Seitdem man zunehmend häufiger derartig behandelte Steine im Handel antraf, führten diese immer wieder zu Diskussionen unter Fachleuten der Schmuckbranche, Diamanthändlern und Gemmologen. Eine Identifikation sowie diagnostische Unterscheidungsmerkmale dieser Steine gegenüber Unbehandelten musste fortan gewährleistet werden. Verschiedene gemmologische Institute weltweit führten Untersuchungen durch.

Im Ergebnis lässt sich feststellen, dass rissgefüllte Diamanten eindeutig mit Hilfe von gemmologischen Mikroskopen zu erkennen sind! Neben Bläschenbildung in der Füllung sowie dendritischen Trockenrissen zeigen sich vor allen in den Rissebenen irisierende Regenbogenfarben (“Flash-Effekt”). Bei Verwendung eines schwarzen Hintergrundes kann ein solcher “Flash” (Blitz) gelb, orange, rosa oder violett sein. Bei einem hellen Hintergrund kann dieser Blau, Grün oder Grünlich sein.

Fest steht, dass Steine, die mit einer solchen Technik behandelt werden, beim Fassen der Steine wie auch beim Reparieren von Schmuck empfindlicher sind. Eine Beständigkeit kann folglich nicht garantiert werden.

Und auch wenn dies durchaus verlockend klingt, können wir vom Erwerb dieser Steine aus mehreren Gründen nur abraten:

Glasfüllungen sind nicht widerstandsfähig gegen Säuren. Sie sind viel weicher und poröser und dadurch recht leicht aus den Rissen zu lösen. Bei einer Ultraschallreinigung eines Schmuckstückes kann die Füllung zerstört und damit trüb werden. Zudem kann das Erwärmen bei Reparaturen oder allein das Tragen bei Frost durch die unterschiedliche Wärmeausdehnung von Diamant und Bleiglas zur Zerstörung des Steines führen.

International anerkannte Labore stellen daher auch keine Expertisen für derart behandelte Steine aus. Gemäß Beschluss des WFDB (World Federation of Diamond Bourses) und der CIBJO müssen dagegen rissgefüllte Diamanten als “behandelt” gekennzeichnet werden.

Fazit

Bei kleinen Steinen ist eine Verwendung dieser Methode aus Kostengründen auszuschließen. Ab Größen um ½ ct Gewicht beginnt die Anwendung, was für den Verbraucher bereits Preislagen über€ 1.000.- bedeuten kann.

Wer voraussetzt, dass beim Kauf eines Steines nicht immer die entsprechende “Manipulations- /Behandlungs- Historie” mitgeteilt wird, kann sich nur auf zwei Wegen davor schützen:

1. Er kauft nur zertifizierte Steine. Internationale Labore stellen wie erwähnt für rissgefüllte Steine eben keine solchen aus. Allerdings handelt es sich hier meistens um höherwertige Qualitäten, die nun mal auch mit höheren Preisen einhergehen.

2. Er kauft beim bekannten und renommierten Fachmann (bevorzugt ungefaßte Steine zur Verarbeitung). Dieser ist im Zweifelsfall eben in der Lage, via Mikroskop vorab solche Steine auszuschließen.

Das größte Risiko besteht daher zwangsläufig bei den sogenannten “Dumpingangeboten”!

Wenn z.B. Kaffeeröster (u.a.) gezielt vor Weihnachten fertige Schmuckstücke mit Piqué-Reinheiten (ohne weitere genauere Qualifizierungen) anbieten, muss das nachdenklich machen – nicht nur im Hinblick auf Rissverfüllung. Bei entsprechender Nachgraduierung entpuppen sich diese “Angebote” im Nachhinein sehr häufig als noch deutlich zu teuer.

Künstliche Farbveränderung (HPHT = High Pressure – High Temperature)

Bisherige künstliche Farbveränderungen bei Diamanten erfolgten durch Methoden unterschiedlicher Bestrahlungsarten (Alpha-Teilchen / Elektronen / Neutronen / Deuteronen oder Protonen) mit z.T. nachfolgender Erhitzung. Diese Verfahren riefen Veränderungen in den äußersten Schichten des Kristalles (Teildeformation der Atombindungen) hervor und schufen damit veränderte Bedingungen der Lichtbrechung.
Die in 1999 erstmals zur Verfügung stehende HPHT-Technologie ist dagegen ein revolutionärer Schritt. Die Veränderungen erfolgen hier in der Atomstruktur des gesamten Kristalls!

Zum besseren Verständnis muss kurz auf die Einstufung der verschiedenen Typen von Diamanten eingegangen werden sowie der daraus resultierenden Verwendungsmöglichkeiten:

Der Hauptunterschied liegt in den Stickstoffgehalten und daraus resultierenden Unter-schieden bei Absorptionsspektren sowie Durchlässigkeit von ultravioletten Licht. Diamanten vom Typ I sind hierbei Steine mit Stickstoffgehalt (Typ I a = 10-30000 ppm / Typ I b = 25-50 ppm // ppm = Stickstoffatome pro 1 Million Graphit-Atome) und für Anwendung des HPHT-Verfahrens ungeeignet.

Diamanten vom TYP II zeigen keinen Stickstoff (wie auch Bor) und sind als Typ II a (kleiner 10 ppm / Typ II b = 0 ppm) das Basismaterial des HPHT-Verfahrens. Diese Kristalle liegen häufig im oberen Farbgradbereich ; können jedoch durch Gitterstörungen im Wachstumsprozess auch gelblich-braune, braune sowie rosa Färbungen zeigen.

Der HPHT-Prozess dupliziert hierbei keinen physikalisch-chemischen Entwicklungsprozess von Diamanten – er simuliert diesen. Gitterstörungen, die für gelbe und braune Kristalle verantwortlich sind, werden durch Druck und Hitze irreversibel reduziert und reorganisiert.

Diese Reorganisation der Atomstruktur mit Bindungen eines jeden Graphit-Atoms zu vier anderen Graphit-Atomen erzeugt die ideale Tetraeder- oder Oktaeder-Struktur und hinterlässt als Ergebnis Kristalle mit deutlich höheren Farbgraden (z.T. sogar bis zu hochfeinem Weiß+(River D)). Bei den verwendeten Steinen handelt es sich dabei in der Mehrzahl um Fantasieschliffe zwischen 1-3 Carat.

Eine Frage drängt sich auf :
Wenn niedrigpreisige Qualitäten durch Einsatz von Technik in höherwertige künstlich verändert werden, wer kontrolliert deren Vermarktung? Es schien doch sehr verlockend, die Preise der “verbesserten” Steine den höheren Preisen der Natürlichen anzupassen.

Da General Electric (GE) die Offenlegung seines entwickelten Verfahrens verweigert und in 1999 diese Behandlung nicht nachweisbar war, trat genau dieser Fall ein! Die amerikanische Diamantschleiferei Lazare Kaplan vertrieb daraufhin (März 1999) diese Steine über ihre Tochtergesellschaft Pegasus Overseas Limited (POL) in Antwerpen unter dem Namen “Pegasus-Diamanten”. Als Synonyme wurden auch “Monarch” und “Bellataire” bekannt.
Unter Druck des Diamanthandels wurden fortan alle von GE behandelten Diamanten zuvor beim GIA (Gemological Institute of America) graduiert sowie mit einer Lasergravur auf der Rundiste (GE POL) versehen. (siehe Foto)

In den zugehörigen Zertifikaten erscheint zusätzlich ein entsprechender Vermerk:
“GE POL is present on girdle. Pegasus Overseas Limited (POL) states that this diamond has been processed to improve its appearence by General Electric (GE)”.

Bei der CIBJO angeschlossenen Laboren wird mit entsprechendem Vermerk eindeutiger von “behandelt” gesprochen. Dank des Datenbanksystems vom GIA konnten auch mehrfach vorgelegte Steine identifiziert werden, da findige Händler z.T. Lasergravuren durch Nachpolieren entfernten und man hier durchaus von Betrugsabsichten sprechen konnte.
So war es überaus nötig, spezifische Untersuchungsmethoden zu entwickeln. Neben Forschungen des GIA (~1500 Steine) überließ GE im Oktober 1999 auch dem Gübelin-Labor / Schweiz 100 GEPOL-Diamanten zur Analyse. Da allgemein die gängigen Testmethoden nicht ausreichten, wurde mit Neuem experimentiert :

– Frequenzverdoppelte Argon-Laser (244 nm) / Raman Photoluminizens / Röntgen-strahlen / Helium-Kadmium-Laser (325 nm) / Argon-Ionen- Laser (514 nm) /Kathodenluminizens

Ergebnis der Forschungen waren schon bald eindeutige diagnostische Unterscheidungskriterien. Nach grundsätzlicher Ausschaltung anderer Diamanten als II a-Typen durch Infrarot- und UV-Spektroskopie (Grünfluoreszens)  unter Nutzung von kurzwelligem UV-Licht (254 nm) folgt eine Untersuchung der Photoluminizens durch ein Raman-Spektrometer nach Anregung durch einen Argon-Ionen-Laser (514 nm) in einer Tiefkühlzelle bei -180°C. Zeigt sich eine Luminizens im Bereich von 3737cm-1 und 2043cm-1, zeugt dies vom Vorhandensein kleiner Mengen von N-V Ballungen (nitrogen-carbon vacancy). Dieser Wellenbereich entspricht dem sichtbaren Spektrum von 637 und 575nm und ist charakteristisch für das Ausgangsmaterial des GE-Prozesses wie auch für den GE POL-Diamanten selbst. Das Peak/Height-Verhältnis 637/575 deutet dabei nicht nur auf eine mögliche Behandlung hin.

Es hat sich als diagnostisch ergeben, dass HPHT behandelte Steine über hohe Verhältnisse (> 2.8) und natürliche, unbehandelte Steine über niedrige Verhältnisse (< 1.6) verfügen. Zudem lässt sich bei Steinen niedrigerer Reinheitsgrade mit dem Mikroskop eine Veränderung von Einschlüssen sowie unter dem Polariskop eine Spannungsdoppelbrechung beobachten. Als Neuigkeit hat HRD auf der folgenden Antwerp Diamond Conference das erste kompakte Testgerät zur Unterscheidung von synthetischen und HPHT-behandelten Diamanten zu natürlichen Diamanten vorgestellt. Es erkennt alle polierten Diamanten in einem Größenbereich von 0,20 ct bis 10 ct, arbeitet im Farbbereich von D bis J und ist seit April 2005 verfügbar.

Soweit der Stand der Wissenschaft. Der Versuch einer Einordnung muß differenzierter betrachtet werden…

Die “Mitspieler” beim HPHT-Verfahren sind bekannt. Neben den zuvor genannten sind auch Nova Diamond (NovaTech) / Utah und First Diamond / Israel keine Unbekannten. Unterscheidungsmethoden wurden entwickelt und werden von den großen Laboren der Welt diagnostisch und zweifelsfrei angewandt. Skeptiker könnten ins Feld führen, dass nach wie vor über andere Vermarktungsebenen (z.B. Internet) Missbrauchsmöglichkeiten bestehen. Dies kann zwar keiner ausschließen, jedoch sprechen gewichtige Argumente für eine entspanntere Betrachtungsweise:

1. Das HPHT-Verfahren ist sehr teuer, Forschungsergebnisse werden nicht weitergegeben und schließt so Nachahmer eher aus.

2. Durch Verwendung des Diamant-Types II a sind nur 2% aller Rohsteine überhaupt geeignet.

3. Im Hinblick der Kosten sind zudem nur größere Steine (ab 1ct) geeignet und engt die Menge noch einmal drastisch ein. Diese werden i.d.R. ohnehin zertifiziert und ermöglichen so eine nachhaltige Kontrolle.

4. Der Kauf eines Diamanten ist mehr denn je Vertrauenssache. (siehe auch unter: 5.”C”=Vertrauen)

5. Seit 1999 bis heute sind im deutschen Einzelhandel praktisch keine Steine aufgetaucht. Seit etwa 2015 tritt verstärkt ein amerikanisches Unternehmen (Renaissance) über Internetvermarktung auf, bei dem auch wir gelistet sind. Der Preisunterschied zu Natürlichen ist zwar gegeben, doch lange  nicht so stark, um anscheinend Verkäufe & Nachfrage international deutlich zu steigern (der amerik. Markt muss hierbei etwas differenzierter betrachtet werden). Zudem handelt es sich fast ausschließlich um hohe Reinheitsgrade, die höhere Grundpreise zwangsläufig mit sich bringen.